Kalifornien vs Bordeaux – Preis überholt Qualität?

Der kalifornische Rotweinboom hat in den letzten Jahren wohl derartige Preissteigerungen herbeigeführt, dass die Qualität gar nicht mehr hinterhergekommen ist. Diese Feststellung haben Eric Asimov und seine Kollegen von der New York Times gemacht als Sie vor kurzem zuerst nach leckeren Napa-Weinen unter 50 USD und anschließend nach Ihren Pendants im 2004er Bordeaux Jahrgang gesucht haben. Sein Urteil: In Bordeaux bekommt man immer noch mehr Klasse fürs Geld. Nun bin ich kein großer Kenner kalifornischer Rotweine, aber weiß um den Weingeschmack vieler Amerikaner. Nur Eric Asimov hat wohl einen anderen Geschmack, sucht mehr nach Finesse als nach überladener Power und findet sein Glück in der alten Welt. Aber en gros scheint der hohe Dollar-Kurs in Verbindung mit den Super (-teuren) Bordeaux Jahrgängen 2005 und 2006 die Gemüter der amerikanischen „Wine Amateurs“ zu erregen. Eric Asimov nimmt sich in seinem Blog des Themas an und verteidigt Bordeaux gegen negative Stimmungsmache. Dabei reagiert er teilweise auf die „Brandrede“ eines bloggenden New Yorker Weinhändler, der seinen Frust über eine chaotische Bordeaux Probe ablässt, und dabei ziemlich häufig das F-Wort verwendet. Unterhaltsam ist es allemal.
BerlinKitchen (guest) - 7. Feb, 07:07

Alex,

chapeau, hast Du gemacht!

Ja, die Preisgestaltung in Bordeaux macht einen schon traurig. Und die Tatsache das diverse Ch`s teil einer Luxus AG sind ( LVMH) zusammen mit Prada, Gucchi, Louis Vuitton etc. verheißt nichts Gutes für die Zukunft.
Auf der anderen Seite ist es auch gerade sehr en vogue Bordeaux-bashing zu betreiben.

Wenn ich mich noch an die letzte große Bordeaux-Probe mit Peter Züllig erinnere, dann merkt man halt wieder, ein guter Bordeaux ist halt immer noch eine Klasse für sich.

http://berlinkitchen.com/berlinkitchen/BerlinKitchen/Entries/2007/10/22_Bordeaux_“Großer_Wein-kleines_Jahr_Kleiner_Wein-Großes_Jahr”.html

Wir hatten da einen 93 Ausone, der war einfach nur genial trotz des nicht so guten Jahrgangs. Den hat man sicherlich seiner Zeit für 20-25 Euro bekommen und heute kostet ein 2003 Ausone über 2000 Euro die Flasche.

Aber eine Hoffnung gibt es noch. Gerade in so großen Jahrgängen wie 2003 bzw. 2005 gibt es immer noch tolle Weine die bezahlbar sind. Ein 2003 oder 2005 Sociando Mallet für 25 Euro zum Beispiel. Und mein Lieblingsbeispiel ist ein 2000 La Fleur de Bouard/Lalande de Pomerol für 30 Euro. Das Zweitweingut von Ch. Angelus Besitzer H. Bouard. Schmeckt wie ein Mini-Angelus.

Schade, mein Keller ist extern, sonst würde ich doch jetzt sofort einen Bordeaux aufmachen und mich hemmungslos besaufen...........als Erinnerung an einen 90 Margaux, 90 Montrose, 89 LLC, 98 Angelus, 96 Pichon Lalande und viele andere mehr, die man sich jetzt nicht mehr leisten kann.


Vinophile Grüße,
Martin

alexis2 - 7. Feb, 08:40

Martin, mit den Luxuskonzernen hast Du wohl recht. Die können es sich ja zB erlauben selbst hässliche Louis Vuitton Taschen für denselben Preis wie schicke zu verkaufen. Beim Bordeaux scheint die Entwicklung wohl in die gleiche Richtung zu gehn... Chinesen und Russen (sorry wegen dem Clichée, aber es scheint wohl wahr zu sein) kaufen die Weine wohl auch in schlechten Jahrgängen zu hohen Preisen. Irgendwann haben die aber auch nen geschulten Gaumen oder?

Zum Glück gibt es ja, wie Du gesagt hast, jede Menge Chateaux, auch kleinere mit guten Qualitäten, das 20 bis 40 Euro Preissegment in dem bei kalifornischen Weinen das PLV noch weniger zu stimmen scheint.

Gesamt-Bordeaux spürt natürlich, dass sich viele Stammkunden jetzt zB lieber in Spanien umschauen (das Parker-Punkte / Preis Verhältnis ist dort fast am besten, oder?) und so wird es wohl immer wieder gute Gelegenheiten im unteren Preissegment geben. Deinen La Fleur Tipp zB muss ich mir mal zu Herzen nehmen.

Danke für Deinen Beitrag und Grüsse zurück

Alex
BerlinKitchen (guest) - 7. Feb, 12:20

Ja, gerade im mittleren Preissegment gibt es vorzügliche Weine aus Spanien, aber ich bin wieder dabei mich von Spanien abzuwenden. Ich finde die Weine zu bombastisch, zu holzbetont und vermisse jegliche Finesse. Außerdem sind die Weingüter zum Teil so neu, daß man schwer einschätzen kan wie die Weine mal in 5-10 Jahren sind. Ein 2004 Aalto fand ich vor einigen Wochen einfach nur "schrecklich", als würde man auf Holz beißen. Einzig die Regionen Priorat und Bierzo sind für mich im Moment empfehlenswert.

Von Jay Miller, der für Parker die span. Weine bewertet, bin ich nicht überzeugt. Die Bewertungen sind zum Teil nicht nachvollziehbar und zuviele Weine haben 90+ Punkte bekommen. Das war eine richtige Punkte-Orgie, als seine ersten Bewertungen erschienen.

Ich orientiere mich nach Italien........

P.S. Korrektur: das Wort "gut" fehlte bei meinem letzten Kommentar.

"Alex, chapeau, hast Du gut gemacht!"

BerlinKitchen (guest) - 7. Feb, 12:25

P.S. Übrigens, ich finde das der gute Lyle Fass von "Rockss and Fruit" ein bißchen schlecht drauf ist, seitdem er vom Parker-Forum ausgeschlossen wurde. Ich hoffe das ändert sich wieder, da er ja jetzt eine Kooperation mit Eric de Vine von Cellartracker geschlossen hat.

alexis2 - 7. Feb, 12:37

Danke fürs Kompliment...
Bei den jungen Spaniern wird geholzt, dass die Sägespäne fliegen, da muss ich dir zustimmen. Doch Spanier altern ja generell eigentlich sehr gut.
Bei Rioja und vom Duero vor allem gibt es sehr gute gereifte Weine. Werde in Zukunft auch mal bei Ebay nach Weine aus 1994 (Duero) oder 1981, 1982 (Rioja) Ausschau halten, mit Sicherheit günstiger als gut gereifte Bordeaux' und qualitatitv mindestens genauso gut.
Ja bei Lyle scheint der Frust tief zu sitzen. Aber auch in der hiesigen blogosphäre gibt es aber viel dicke Luft. Wahrscheinlich hast Du schon diesen Post bei Planet Bordeaux gelesen: http://bordeaux.blogg.de/eintrag.php?id=654
Gruss,

Alex
BerlinKitchen (guest) - 7. Feb, 14:14

Natürlich kenne ich den Artikel von Mario Scheuermann, ist ja gerade das große Thema in der blog-Wein-Welt.

Ja, so alte Riojas sollen ziemlich gut sein.

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